Für würdevollen Abschied

„Lehrmeister bei meinem Auslandaufenthalt in London ist das Thanatologie Institut Albins and Sons, das Institut des Britischen Königshauses, das auch den Leichnam der unvergessenen Lady Diana nach ihrem Unfalltod in einen ästhetischen Zustand zurückversetzte und eine Vielzahl anderer Persönlichkeiten wie zum Beispiel Margret Thatcher, ehemalige Premierministerin, auch genannt die ’Eiserne Lady‘“, berichtet Nico Bahrenburg.

Ein Familienunternehmen

Das Institut, bei dem es sich um ein Familienunternehmen handelt, besteht bereits seit über 200 Jahren und betreibt über ganz England verstreut mehrere Filialen. Dort bereitet sich Nico Bahrenburg intensiv auf die Ausübung der Tätigkeit eines Thanatologen vor.
Der Begriff „Thanatologie“ stammt aus dem Griechischen (Thanatos – der Tod) und bezeichnet die Wissenschaft vom Sterben, vom Tod und der Bestattung. Thanatologie ist mittlerweile ein interdisziplinäres Arbeitsgebiet und umfasst auch die Bereiche Philosophie, Ethnologie, Psychologie, Soziologie, Geschichtswissenschaft, Biologie, Medizin, Pflegewissenschaft und andere wissenschaftliche Disziplinen. Die praktische Thanatologie wird in Deutschland vorwiegend von besonders ausgebildeten Bestattern angeboten. In der Ausbildung erwirbt der Thanatologe grundlegende theoretische und praktische Kenntnisse auf wissenschaftlicher Basis in den Fachgebieten Anatomie, Pathologie, Bakteriologie, Chemie, Desinfektion sowie der restaurativen Wiederherstellung und der Psychologie. „Mit dem Hospizgedanken, Sterbende und ihre Angehörige zu begleiten, verändert sich auch der Umgang mit den Toten. Neu entdeckt werden vergessene Rituale für die Gestaltung von zeitgemäßen persönlichen Trauerfeiern“, teilt Nico Bahrenburg mit. Dies gehe einher mit Veränderungen, auf die sich der Bestatter einstellen müsse. „Man hat wieder vermehrt das Bedürfnis, den Verstorbenen auch in der Stunde des Abschieds noch bei sich zu haben. Für die Wahrnehmung des Rechts auf eine menschenwürdige Behandlung, das auch ein Verstorbener noch hat, sind diejenigen verantwortlich, in deren Obhut die Angehörigen ihn gegeben haben“, so Bahrenburg.
In diesem Bereich sei als erstes wieder anzusetzen, wenn der Anspruch erhoben werde, Trauerkultur zu erhalten und Bestattung nicht zu einer „Entsorgung“ werden zu lassen. „Hier trägt der Bestatter eine große Verantwortung. Für diese Bürde bedarf es der Hilfe moderner Möglichkeiten, die ihm die ausgebildeten Thanatologen bieten. Die Arbeit des Thanatologen hilft dem Bestatter, den Veränderungen in unserer Gesellschaft im Bezug auf Bestattungsgewohnheiten gerecht zu werden“, teilt Nico Bahrenburg weiter mit.
Wofür brauche man nun einen Bestatter mit thanatologischer Ausbildung? „Der Verlust eines Menschen löst in uns vielfältige Gefühle aus, die wir pauschal Trauer nennen. Das Hauptanliegen eines Thanatologen ist es, Angehörige nach der Bestattung in einen Alltag zu entlassen, in dem sie sich wieder zurechtfinden sollen. Grundlage jeder Trauerarbeit ist die bewusste Wahrnehmung des erlittenen Verlustes. Um zu verstehen, was real ist, ist die Konfrontation mit dem Tod unumgänglich“

Aktive Trauerbewältigung

Man spreche hier vom Beginn einer aktiven Trauerbewältigung, wenn der Hinterbliebene am offenen Sarg die Möglichkeit wahrgenommen habe, mit allen Sinnen Abschied zu nehmen, den Tod somit begreifen könne, erläutert Bahrenburg. Was bleibe, sei ein „friedliches und tröstendes Bild vom Toten und letztlich auch vom Tod“. Man könne folgende Aspekte der aktiven Abschiednahme nennen: Aktive Abschiednahme sei für den Trauerprozess wichtig. Trauerpsychologische Studien belegten die Sinnhaftigkeit der offenen Aufbahrung. Aktive Abschiednahme könne den akuten Trauerprozess verkürzen. Menschen müssten den Tod als Sinneserfahrung begreifen. Abschiednahme sei Trauerbegleitung von Anfang an.
„Auch wenn der Mensch gestorben ist, so ist doch seine leibliche Hülle würdevoll und angemessen zu behandeln“, unterstreicht Bahrenburg. Thanatologische Maßnahmen im Rahmen der Totenfürsorge schützten den Toten (zum Beispiel hinsichtlich der Hautintegrität) und die Lebenden. Thanatopraxie mache einen würdigen Abschied möglich und sichere die Hinterbliebenen vor traumatischen Erlebnissen, zum Beispiel Geruch, Infektionsschutz und austretende Flüssigkeit. „Nach der Behandlung soll er so gepflegt aussehen, wie er sie im Leben empfangen hätte“, erläutert Nico Bahrenburg.

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