Geprüfter Sachverständiger

Geschäft mit dem Tod: Kosten für ein Begräbnis schwanken um viele tausend Euro

Kostenvoranschlag schützt vor Überraschungen - Nico Bahrenburg ist Sachverständiger im Bestattungswesen und will dubiose Machenschaften bekämpfen

Zeven. Wer einen lieben Menschen verliert, denkt an viele Dinge – aber nur in wenigen Fällen ans Geld. Bestatter, so könnte man meinen, stellen für identische Leistungen ähnliche oder gar gleiche Preise in Rechnung. „Doch genau dies ist nicht der Fall“, sagt Bestatter Nico Bahrenburg. „In der Praxis zeigt sich, dass es bei gleicher Leistung zu Preisunterschieden von zwei- bis siebentausend Euro kommen kann.“

In den vergangenen Monaten hat der Zevener eine Weiterbildung zum Verbandsgeprüften Sachverständigen im Bestattungswesen absolviert. Seine Erkenntnisse im Lehrgang haben ihn nachdenklich werden lassen. „Ich habe von einem Bestatter aus Aachen gehört, der Särge für 50 Euro in Polen eingekauft und sie dann für  1.500 Euro an trauernde Familien weiterverkauft hat. So etwas macht uns sprachlos“, berichtet Nico Bahrenburg, „das zerstört Vertrauen und ist ein Skandal.“

Bei einigen Berliner Bestattern habe noch vor einigen Jahren das Motto geherrscht: Erst bestechen, dann bestatten. Die Staatsanwaltschaft ermittelte seinerzeit – mit Erfolg. Geschmiert wurden meist jene, die von Berufs wegen häufiger eine Leiche fanden: Ein Polizist legte ein Geständnis ab. Und auch viele Tippgeber aus Krankenhäusern und Altenheimen ließen es sich mit dem System gut gehen – bis die Handschellen klickten. „Das muss man sich mal vorstellen“, empört sich Sachverständiger Nico Bahrenburg, „wenn eine Pflegekraft am Tod eines Menschen mitverdient.“ Unlauterer Wettbewerb, illegale Zahlungen von Schmiergeld oder Prämien – das sind die Dinge, denen sich Nico Bahrenburg in seiner neuen Funktion als Sachverständiger in der Bestattungsbranche von nun an annehmen wird.

„Wenn es nach einem Begräbnis zu Unklarheiten kommt, kann ich als Gutachter – notfalls auch als Sachverständiger vor Gericht – zur Klärung eines Sachverhaltes herangezogen werden“, erklärt Nico Bahrenburg. Seine häufigste Aufgabe sieht er jedoch darin, Rechnungen auf Plausibilität zu überprüfen. „Ich kann feststellen, ob die ausgewiesenen Preise angemessen und ortsüblich sind.“ Das beziehe sich ausdrücklich nicht nur auf die Dienstleistung, sondern auch auf die gehandelten Waren wie Särge, Urnen, Kreuze und Dekorationen der Trauerfeierlichkeiten. In seiner Arbeit wird es ihm auch in Zukunft wichtig sein, außergerichtliche Einigungen zu erzielen. „Ich will meine fachliche Kenntnis voll und ganz einbringen. Und das vor allem, um bei unterschiedlichen Ansichten – nicht nur von Kunden und Bestattern, sondern auch bei Behörden wie Polizei, Sozial- oder Ordnungsämtern sowie Krankenhäusern und Seniorenheimen – zu vermitteln.“ Ihm ist es jedoch auch ein wichtiges Anliegen, zu prüfen, ob alle Bestattungsabläufe korrekt und vertragsgemäß erfüllt worden sind.

Hinter vielen Konflikten vermutet Bahrenburg Unkenntnis der Beteiligten hinsichtlich der Rechtslage. „Heute sterben beinahe 80 Prozent der Menschen im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in ähnlichen Einrichtungen. Nicht selten existiert dort ein Ausschließlichkeitsvertrag, der besagt, dass ganz bestimmte Bestatter beim Ableben eines Bewohners empfohlen werden. Solche direkten Empfehlungen sind oftmals nicht zulässig – oder manchmal sogar strafbar“, sagt Nico Bahrenburg.

Als Sachverständiger will er hier in Zukunft ein wachsames Auge haben; zum Wohle seines Berufsstandes, aber auch der Kunden. Anonyme Hinweise nimmt er jederzeit entgegen.

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