Würdevoll Abschied nehmen

Thanatologie kann Grundstock für die Trauerarbeit legen

Nico Bahrenburg
Nico Bahrenburg

Zeven (sk/eb). „Der Beruf des Thanatologen ist in unsrer Gesellschaft leider weitestgehend unbekannt“, sagt Nico Bahrenburg. Dabei sei es oftmals dieser Beruf, der dem Bestatter helfe. Durch die Unterstützung des Thanatologen könne dieser im Umgang mit dem Verstorben den Grundstock für die Trauerarbeit legen.

„Ich möchte den Hinterbliebenen bei der Abschiednahme helfen“, erklärt der Sohn des Unternehmens Bestattungen Bahrenburg seine Motivation, sich zum Einbalmer und Thanatopraktiker ausbilden zu lassen. Für die Angehörigen ist der Tod des geliebten Menschen oftmals unbegreiflich. „Der Abschied am offenen Sarg kann dabei helfen, den Verlust zu akzeptieren.“

Der Thanatopraktiker versorgt und richtet Verstorbene so her, dass diese Form des Abschiedes möglich wird. „Die thanatopraktische Behandlung oder auch das Embalming hat nichts Gruseliges an sich und läuft eher unspektakulär ab“, sagt Nico Bahrenburg. Über einen Zugang werde eine chemische Lösung im Dialyseverfahren injiziert. „Es gibt keine Verwesungsgerüche mehr, Körperflüssigkeiten treten nicht mehr aus, die Totenflecken verschwinden. Die Haut wird wieder schön.“ Die Zeichen einer langen, schweren Krankheit, wie Wassereinlagerungen und die Spuren einer Chemotherapie, werden aus dem Körper gespült.

Die Kenntnisse und Fertigkeiten eines Thanatologen ermöglichen es dem Bestatter, Terminplanungen für Beisetzungen ganz den Wünschen der Angehörigen anzupassen. „Bestattungen finden in der heutigen mobilen Zeit nicht immer innerhalb weniger Tage statt“, weiß Nico Bahrenburg. Zu weit seien die Entfernungen geworden, in denen die Familien, zum Teil berufsbedingt, leben. Durch die Anwendung der Thanatologie erhalte jedes Familienmitglied die Möglichkeit, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

„Den Tod sehen und anfassen zu können, nimmt ein Großteil seines Schreckens“, erklärt der Fachmann. Er selbst hatte erst gar nicht vor, im Bereich Bestattungen zu arbeiten. „Als junger Mann habe ich mich mit Händen und Füßen gewehrt. Es war die Angst und auch die Vorstellungen vom Anblick des Todes“, sagt er heute. In seinem Auslandeinsatz der Bundeswehr sei ihm jedoch schnell bewusst geworden, „der Tod gehört nun mal zum Leben“.

Schlüsselerlebnis sei für ihn gewesen, als Bestattungen Bahrenburg durch die Bundeswehr beauftragt wurde, vier gefallene Kameraden zu überführen und die Staatstrauerfeier in Selsingen zu begleiten. „Als aktiver Soldat war es für mich selbstverständlich, im Familienbetrieb zu unterstützen, und zugleich war es eine ehrenvolle Aufgabe.“ An diesem Zeitpunkt entschied sich Bahrenburg für den Dienst im Bestattungsunternehmen.

Nico Bahrenburg

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